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Wie dein Schlaf dein Essverhalten beeinflusst


Im Schlaf erledigt unser Körper so einige Aufgaben, von denen wir rein gar nichts mitbekommen. Die Ruhephasen haben mehr Auswirkungen auf uns, als wir denken. Oder wusstest du, dass das Schlafverhalten deine Ernährung beeinflusst?

Genauer gesagt ist es der REM-Schlaf, der da seine Finger im Spiel hat. REM steht für Rapid Eye Movement. In dieser Schlafphase werden deine Träume intensiver und lebhafter. Du wirst unruhiger, drehst dich häufiger und zuckst vielleicht auch ab und zu. Einige Personen beginnen sogar, zu sprechen. Doch damit du deine Träume nicht ausagierst und dich und andere in Gefahr bringst, wird die Beweglichkeit deiner Gliedmaßen eingeschränkt. Während des REM-Schlafs ist also ganz schön was los.

Nicht nur die Hirnareale, die für das Aussortieren und Speichern von Erinnerungen verantwortlich sind, sind in dieser Schlafphase hochaktiv. Auch der laterale Hypothalamus spielt ganz vorn mit. Dieser Teil des Gehirns sendet unter anderem Informationen bezüglich der Nahrungsaufnahme aus. Kurz gefasst sagt uns der Hypothalamus, ob wir jetzt langsam einmal etwas essen sollten, oder ob unserem Körper noch mehr als genug Energie zur Verfügung steht. Das tut er zumindest, während wir wach sind. Aber während des REM-Schlafes soll er auch aktiv sein.

Natürlich gibt es auch zu diesem Thema zahlreiche Studien. Im Februar 2020 beispielsweise veröffentlichte Professor Antoine Adamantidis, tätig an der Universität Bern, die Ergebnisse eines Tests mit Mäusen. Untersucht wurde, inwiefern deren Nervenzellen im Hypothalamus im REM-Schlaf aktiviert wurden. Mithilfe von Lichtimpulsen schalteten sie diese Aktivität immer wieder aus.

Es zeigte sich, dass sich die Aktivitätsmuster der Zellen, die für das Essverhalten verantwortlich sind, tatsächlich veränderten. Die Mäuse aßen fortan weniger. Auch 4 Tage nach Beendigung des Tests standen die entsprechenden Zellen immer noch unter dem Einfluss der kurzzeitig unterbrochenen Aktivität. Adamantidis und sein Team gehen davon aus, dass die Aktivität im Hypothalamus sogar gezielt beeinflusst werden könnte, um beispielsweise Personen mit Essstörungen dabei zu helfen, ihre Nahrungsaufnahme wieder zu normalisieren.

Doch es gibt noch einen weiteren Erklärungsansatz. Dein Gehirn verbrennt während des REM-Schlafs fast genauso viel Energie, wie im Wachzustand. Das macht den Anschein, dass du deinem Körper mehr Nahrung zuführen musst, je länger dein REM-Schlaf ist, doch interessanterweise ist genau das Gegenteil der Fall. Deckst du täglich deinen durchschnittlichen Kalorienbedarf, musst du dir auch um den REM-Schlaf keine Sorgen machen, denn auch der darin von statten gehende Energieverlust wird damit aufgehoben.

Schläfst du also plötzlich weniger und das über einen langen Zeitraum, hat dein Körper immer wieder Energie übrig, die er gar nicht braucht. Er bemerkt, dass er, gemessen am tatsächlichen Verbrauch, deutlich zu viele Kalorien zugeführt bekommt und reagiert mit weniger Hunger. Ist ja auch ganz logisch, schließlich hast du an einem Tag mit viel Aktivität ja auch deutlich mehr Hunger als an einem gemütlichen Sonntag auf der Couch, nicht wahr?

Schlank dank Schlafmangel? Klares nein!

„Weniger REM-Schlaf führt also dazu, dass ich weniger Hunger habe? Super!“ Sind das gerade deine Gedanken? Dann schiebe sie bitte schnell wieder beiseite. Dein Körper benötigt ausreichend Schlafenszeit, vor allem, wenn du abnehmen möchtest. Schließlich verbrennt er in dieser Zeit unter anderem große Mengen an Fett und transportiert alles nach draußen, was schlecht für dich ist und zu einer ungewollten Gewichtszunahme führen könnte. Raubst du ihm diese Zeit, kann er all das nicht tun.

Versuchst du ganz bewusst, schlecht und viel zu kurz zu schlafen, um die REM-Phasen zu reduzieren, wirst du nicht einfach nur träge und müde. Das Ganze kann sich das ganz schnell zu einer akuten Schlafstörung entwickeln. Das wiederum kann dir unter Umständen den Weg in eine Essstörung ebnen. Nur, weil du weniger Hunger verspürst, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass du keine Energie benötigst. Schließlich sendet das Gehirn dann nicht gewollt weniger Signale des Hungers aus, sondern tut das nur, weil du es dahingehend manipuliert hast. Vergiss nicht, dass Hunger in der Regel der Ruf deines Körpers nach wichtigen Vitalstoffen ist, die er benötigt, um all die überlebenswichtigen Prozesse aufrechtzuerhalten.

Sind vielleicht doch die Hormone Schuld?

Andere Studien hingegen begrenzen sich gar nicht auf den REM-Schlaf, sondern sehen den Knackpunkt an ganz anderer Stelle: den Hormonen. Sarosh Motivala, tätig an der Universität von Kalifornien, untersuchte den Schlaf von 14 Männern mit Schlafstörung und 24 Männern ohne Problemen diesbezüglich. Er maß, wie hoch die Konzentration der Hormone Ghrelin und Leptin zu verschiedenen Zeitpunkten in deren Blut war.

Der Ghrelinwert der Personen mit Schlafstörungen war bis zu 30 % niedriger, als der der gesunden Vergleichsgruppe. Die Leptin-Werte hingegen unterschieden sich kaum. Das lässt zunächst ebenfalls vermuten, dass Personen, die weniger schlafen auch weniger Hunger haben. Doch genau sie sind es, die tagsüber erhöhte Grehlin- und verringerte Leptin-Werte aufweisen, was wiederum ein Hungergefühl auslöst. Aufgrund dieser starken Schwankungen vermuten Motivala und sein Forschungsteam, dass Phasen der Appetitlosigkeit und eines plötzlich eintretenden Heißhungers bei gestörtem Schlafverhalten Hand in Hand gehen.

Aber welche Theorie ist denn nun richtig? Wie bei so vielen Dingen können auch hier noch keine allgemeingültigen Aussagen getroffen werden. Schließlich steckt die Schlafforschung noch in den Kinderschuhen. Erste Forschungen gab es zwar bereits im Jahr 1862, als Ernst Kohlschütter testete, ab welcher Lautstärke ein Mensch aus dem Schlaf gerissen wird. Doch so richtig losgehen konnte es erst mehr als 60 Jahre später dank der Entwicklung der Elektroenzephalografie. Klar ist dennoch eins: Ausreichend zu schlafen ist von großer Bedeutung. Ihn absichtlich zu stören oder zu verkürzen, wenn es nicht dringend sein muss, ist in keiner Weise empfehlenswert.

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